Frauen Im Islam - Stellenwert des Islam bei den Muslimen

Dipl. Pädag. Marianne GELLNER, Karlsruhe

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Reformen Mohammeds:

Die Frau ist in ihren religiösen Rechten und Pflichten dem Manne gleichwertig. "Wer aber Rechtes tut, Mann oder Frau, und gläubig ist, wird nicht das entfernteste Unrecht zu leiden haben." (Sure 4, Vers 125) Nach dem Verständnis des Korans hat Satan Adam und Eva verführt, Eva ist nicht mehr die Verführerin Adams. (Nach Sure 7, Vers 19) Entgegen früherer Praxis bekommt die Braut die Morgengabe selbst, nicht mehr der Vater oder der Vormund der Braut. (nach Sure 4, Vers 23) Dieses neue Gebot bedeutete einen Schutz vor Verstoßung, da die Brautgabe oft erst im Fall der Verstoßung bezahlt werden sollte. Die vorislamische Polygamie wird auf 4 Frauen beschränkt, unter der Bedingung, sie alle gleich zu behandeln. Die Willkür des Mannes bei der Scheidung bzw. Verstoßung wird eingeschränkt.

Das Verhältnis der Männer und Frauen untereinander:

Folgende Koranstellen nehmen Bezug auf das Verhältnis der Männer und Frauen untereinander. In Sure 2, Vers 183, steht zu lesen: "Sie sind euch ein Kleid und ihr seid ihnen ein Kleid" das "bedeutet, daß jeder dem anderen ein Schutz, Bedeckung, Stütze und Schmuck ist." Im Koran (Sure 4, Vers 34) heißt es weiterhin: "Die Männer aber stehen über den Frauen, weil Allah einen Teil (der Menschen) einen Vorzug gegeben hat und weil die Männer von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) hingeben. Die rechtschaffenen Frauen sind daher (Gott) demütig (ergeben) und bewahren das Verborgene für sich, weil auch Allah es für sich behält. Die Frauen aber, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, ermahnt, meidet sie im Ehebett und straft sie! Wenn sie euch dann gehorchen, setzt ihnen nicht mehr zu! Allah ist erhaben und groß."

Speziell diese Koranstelle läßt sich also je nach Sicht und Ideologie des Interpreten (Gelehrte, emanzipierte Frauen etc.) sehr unterschiedlich deuten: "Liberale Gelehrte haben darüber viel nachgedacht, denn der arabische Text bietet zahlreiche sprachliche Schwierigkeiten, die eine tolerantere Auslegung zulassen. Einige sehen in dieser Textstelle die Erlaubnis (die Frauen, Anm. M.G.) nur leicht zur Warnung zu bestrafen, während die liberalsten behaupten, der Mann dürfe gegen seine Frau erst dann vorgehen, wenn ein Gericht ihre Schuld festgestellt habe. Der Mann würde also, mit anderen Worte, als verlängerter Arm des Gesetzes handeln, um ihr eine öffentliche Bloßstellung zu ersparen ..." Der Vorrang des Mannes (daradscha) vor der Frau hängt zusammen mit seiner besonderen Auszeichnung durch Gott und seiner Rolle als Unterhaltsleistender (wegen der Ausgaben, u.a. in Form der mahr) und Oberhaupt der Familie. Es wäre Sünde für den Mann, wenn er seiner Pflicht, seine Frau mit Nahrung und Kleidung zu versorgen, nicht nachkäme.

Gestalt der Ehe

Nach dem Koran (Sure 24, Vers 32) ist die Ehe eine Verpflichtung für heiratsfähige Muslime. Im Islam ist die Ehe kein Sakrament wie im Christentum, sondern ein privatrechtlicher Vertrag. Durch die Institution Ehe wird die Umma (Gemeinschaft der Muslime) erhalten bzw. vergrößert, deswegen besteht für Muslime die Pflicht zur Nachkommenschaft.

Der Koran sagt über die Ehe (Sure 30, Vers 20): "Und zu seinem Zeichen gehört, daß er Euch von euch selber Gattinnen schuf, damit ihr ihnen beiwohnt und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt..." Das Recht des "Jabr", das Recht, nach dem der Vater oder Vormund seinen Sohn oder seine Tochter gegen deren Willen verheiraten kann, entspringt der vorislamischen Praxis - und ist im Koran nicht verankert.

Polygamie

Sehr umstritten und angegriffen, vor allem in christlichen Kreisen, ist die erlaubte Polygamie (Mehrehe) im Koran, die allerdings an zwei Bedingungen geknüpft war: 1. Beschränkung auf maximal 4 Frauen, 2. Die gerechte Behandlung der Frauen. Der Koran schreibt in Sure 4, Vers 3 vor: "Und wenn Ihr fürchtet, Ihr würdet nicht gerecht gegen die Waisen handeln (falls Ihr vorhabt, eine der eurer Obhut anvertrauten Waisen zu heiraten), dann heiratet (andere) Frauen, die euch gefallen, zwei oder drei oder vier; und wenn Ihr fürchtet, ungerecht zu handeln, dann (heiratet nur) eine oder was eure Rechte besitzt (eure Sklavinnen). Das ist der einfachste (Weg) für euch, Unrecht zu vermeiden." Der Islam erlaubt die Mehrehe mit der Begründung durch sie den Wunsch des Mannes nach Erben erfüllen, falls seine Ehefrau beispielsweise unfruchtbar ist sowie ein eventuell starkes sexuelles Bedürfnis des Mannes zu befriedigen, welches seine Ehefrau vielleicht nicht in gleichem Maße teilt. Außerdem könnte somit in Zeiten des Frauenüberschusses (z.B. nach Kriegen) das sexuelle Bedürfnis der Frau und ihr Wunsch nach Mutterschaft erfüllt werden. Besonders verdienstvoll war es, Witwen und Waisen aufzunehmen bzw. zu heiraten.

Sexualität

Grundsätzlich gilt die Sexualität im Islam als etwas Positives, der Körper ist neben der Seele und dem Geist sehr wichtig. Nach dem islamischen Verständnis ermöglicht die Sexualität nicht nur die Fortpflanzung, sondern sie gibt auch einen Vorgeschmack auf das Paradies, Sexualität wird als Gabe Gottes betrachtet; der Geschlechts- verkehr ist jedoch nur im Rahmen der Ehe (nach Sure 70, Vers 31) erlaubt. Der Koran besagt über die Sexualität (in Sure 2, Vers 223): "Eure Frauen sind euch ein Saatfeld." "Geht zu (diesem) eurem Saatfeld, wo immer ihr wollt."