Frauen Im Islam - Stellenwert des Islam bei den Muslimen

Dipl. Pädag. Marianne GELLNER, Karlsruhe

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 |

Verhaltens- und Kleidervorschriften

Damit sich Moral und Benehmen der muslimischen Frau deutlich von den nicht-islamischen Frauen oder der vorislamischen Zeit der Unwissenheit (dschahilija) unterscheiden - als keusch würdevoll, mit Selbstachtung und mit Schamgefühl -, enthält der Koran Verhaltens- und Kleidervorschriften, ursprünglich nur die Gattinnen Mohammeds betreffend. "Im Bereich des Sexuellen verbietet der Islam auch, eine Person des anderen Geschlechts lange anzuschauen, denn das Auge ist der Schlüssel der Gefühle und der Blick ein Bote des Verlangens, der die Botschaft der Hurerei oder des Ehebruchs trägt." Deswegen heißt es in Sure 24, Vers 30-31: "Sprich zu den gläubigen Männern, daß sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist recht wohl kundig dessen, was sie tun. Und sprich zu den gläubigen Frauen, daß sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit (ihre Scham) wahren sollen und daß sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein muß, und daß sie ihren Schal sich über den (vom Halsausschnitt nach vorne heruntergehenden) Schlitz (des Kleides) ziehen und ihre Reize vor niemand enthüllen als vor ihren Gatten oder ihren Vätern (...) Und sie sollen ihre nicht (auf den Boden) schlagen (um ihre Fuß- und Kniespangen klirren zu lassen), so daß bekannt wird, was sie von ihrem Zierat verbergen. Und bekehrt euch zu Allah insgesamt, o ihr Gläubigen, auf daß ihr erfolgreich seid." Allah gebot den Frauen jedoch niemals, ihr Gesicht zu verhüllen; die Sitte des Schleiertragens setzte sich erst nach Mohammeds Tod durch, als die Araber während der Abbasidenperiode (750-1258 n.Chr.) persische und byzantinische Gewohnheiten und damit auch zwei ihrer Statussymbole (Schleier und Harem) annahmen. Weiterhin heißt es in Sure 33, Vers 33: "Und bleibt in euren Häusern und zeigt nicht eure Reize, wie in der früheren Zeit der Unwissenheit". Dies heißt aber nicht, daß der Islam, wie manche behaupten, verlangt, daß eine Frau im Haus eingeschlossen bleiben muß, bis der Tod sie heraus und zu ihrem Grab führt. Im Gegenteil, sie darf zum Gebet ihr Haus verlassen, um sich zu bilden und zu anderen erlaubten Zwecken, religiösen u.a. (...) sogar mit dem Propheten zusammen an Schlachten teilnehmen (...)"

Scheidung, Verstoßung, Ehebruch (zina)

Ehebruch ist verboten. Im Koran (Sure 17, Vers 32) heißt es: "Und nahet nicht den Ehebruch, siehe, das ist eine Schändlichkeit und ein übler Weg." Grundsätzlich erlaubt der Islam die Scheidung nur sehr zögernd, wünscht und empfiehlt sie nicht. Der Prophet hat gesagt: "Unter den erlaubten Dingen ist die Scheidung Allah am meisten verhaßt". Explizit im Koran und in der Sunna erwähnt ist nur das Recht des Mannes auf Beendigung der Ehe, er könnte jederzeit ohne Angabe von Gründen das Wort talaq (Entlassung) aussprechen und bis zu zweimal widerrufen, dann müßte er die Frau behalten oder freigeben. Bei der 3. Verstoßung war die Frau endgültig geschieden. Für die endgültige Verstoßung bedurfte es (nach Sure 62, Vers 2) der Anwesenheit von zwei Zeugen. Nach der endgültigen Verstoßung der Frau mußte diese zunächst (nach Sure 2, Vers 229-230) erst wieder einen anderen Mann heiraten und von ihm entlassen werden, bevor sie wieder ihren ersten Mann heiraten konnte. Das Recht der Frau auf Auflösung der Ehe leiteten die Rechtsschulen aus dem allgemeinen Gebot Allahs ab, der Frau keinen Schaden zuzufügen, sowie aus Sure 4, Vers 128, die die von der Frau beabsichtigte Trennung in bestimmten Fällen erlaubt. "Und wenn eine Frau befürchtet, daß ihr Mann (ihr) dauernd Schwierig- keiten macht oder ihr abgeneigt ist, ist es für die beiden keine Sünde, sich friedlich zu einigen."

Über die Scheidungsgründe gehen die Meinungen auseinander (Impotenz, ekelerregende Krankheiten, mangelnder Unterhalt). Letztgenannter Grund war in der Praxis der häufigste, wenn überhaupt eine Frau die Scheidung verlangte - mitunter mußte sie die Morgengabe zurückgeben. Diese Scheidungsregelung bedeutet eine Beeinträchtigung des Handlungs- spielraums der Frau gegenüber der vorislamischen Zeit, in der sie durch Rückkehr zu ihrem Mann die Ehe auflösen konnte.

Wartezeit "Idda"

Damit im Falle der Trennung einer Frau von ihrem Mann (durch Scheidung von ihm oder durch seinen Tod) zweifelsfrei erkennbar wurde, wer der Vater eines ggf. zu erwartenden Kindes war bzw. nicht war, wurde in Bezug auf eine neue eheliche Verbindung der Frau eine sog. Wartezeit "Idda" eingeführt, "eine der revolutionären Einrichtungen (im Sinne eines Bruchs mit der Vergangenheit), die der Islam mit sich brachte." Die Idda beträgt mehrere Monate bzw. Zyklen.

Zeugenaussagen

Bei Darlehens- und Kaufgeschäften sind nach dem Koran (Sure 2, Vers 282) zwei Zeugen hinzuziehen; wenn jedoch zwei Männer nicht zur Verfügung stehen, genügen nicht die Aussagen von einer Frau und einem Mann, sondern es müssen ein Mann und zwei Frauen sein: "(Zwei Frauen) damit (für den Fall), daß die eine von ihnen sich irrt, die eine (die sich nicht irrt) die andere (die sich irrt) an den wahren Sachverhalt erinnere."