Frauen Im Islam - Stellenwert des Islam bei den Muslimen

Dipl. Pädag. Marianne GELLNER, Karlsruhe

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Behandlung von Jungen und Mädchen

Im Koran (Sure 16, Vers 58-59) steht zu lesen: "Wenn einem von ihnen die Geburt eines weiblichen Wesens angesagt wird (wenn ein weibliches Wesen verkündet wird), macht er dauernd ein finsteres Gesicht und grollt (dem Schicksal). Dabei hält er sich vor den Leuten verborgen, weil ihm etwas (so) Schlimmes angesagt worden ist (und überlegt), ob er es trotz der Schande behalten, oder ob er es im Boden verscharren soll. Nein! Wie schlecht urteilen sie doch." Die ungleiche Behandlung von Jungen und Mädchen wird mit dem bereits beschriebenen Vorrecht des Mannes vor der Frau begründet.

Erbrecht

Im Erbrecht wird die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern ebenfalls deutlich. Im Koran (Sure 4, Vers 11) bestimmt Allah hinsichtlich der Erben: "Auf einen männlichen Geschlechtes kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts. Wenn es (ausschließlich) Frauen sind, (und zwar) mehr als zwei (oder: zwei und mehr?) stehen ihnen zwei Drittel der Hinterlassenschaft zu; wenn es (nur) eine ist, die Hälfte ..." Im Vergleich zur vorislamischen Zeit bedeutet diese Erbregelung eine Besserstellung der Frau, da sie vorher keinen Erbanspruch hatte.

Schlußbemerkung

Durch diese Koranstellen, die als die wichtigsten erscheinen, um einen groben Überblick über frauenrelevante Themen und soziale Bereiche im Islam zu vermitteln, ohne Anspruch auf Vollständigkeit bzgl. der Analyse und der Interpretation, wird deutlich, daß "der Islam in seiner Gesamtheit, sowohl als religiöses Dogma als auch Rechtssystem durch die ungleiche Behandlung von Mann und Frau seinen eigenen egalitären Grundsätzen widerspricht."

Literaturhinweise:

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TWORUSCHKA, Monika: Allah ist groß. 1983 Güterslohn.

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