Begrüßung

Dr. Elisabeth ZUBER-KNOST
Frauenbeauftragte der Universität Karlsruhe (TH)

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Die Grundüberzeugung, daß unsere Gesellschaft heute nach wie vor patriarchal geprägt ist, findet breite Zustimmung. Wie sie jedoch aufzuheben ist, darüber gehen heute in der Frauenbewegung die Meinungen auseinander: Die eine Position vertritt das Konzept der neuen Mütterlichkeit, die der Männerherrschaft durch neues Selbstbewußtsein von Müttern begegnen will; die andere Position vertritt das Konzept der Gleichstellung, das meint, die gesellschaftliche Dominanz von Männern nur dadurch aufheben zu können, daß Frauen in die Männerdomänen "Beruf" und "Öffentlichkeit" eindringen. Es bleibt abzuwarten, ob und wenn ja, welches der beiden Konzepte erfolgreicher sein wird. Heute sind wir hier in den Räumen der Technischen Hochschule Karlsruhe. Gestatten Sie mir daher auch einen kurzen Blick auf die Situation von Frauen an unserer Hochschule, einem kleinen Mosaikstein der deutschen Frauenbewegung. Da sind an erster Stelle die Studentinnen; von den knapp 22.000 Studierenden sind 3.885 weiblich, das entspricht einem Anteil von 18%, im bundesweiten Durchschnitt beträgt er bei den traditionellen Hochschulen 40%. Selbstverständlich ist der Frauenanteil in den einzelnen Fakultäten höchst unterschiedlich. Zu den Fakultäten mit einem Frauenanteil von weniger als 10% gehören - niemanden wird es überraschen - Maschinenbau und Elektrotechnik, aber auch - und hier ist die Überraschung vielleicht eher gegeben - die Informatik, die auch bundesweit einen abnehmenden Frauenanteil in den letzten Jahren verzeichnet. Einen Frauenanteil von 10-30% verzeichnen die Fakultäten Physik, Bauingenieurwesen, Chemieingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften, zwischen 30 und 58% sind es die Fakultäten Mathematik, Chemie, Bio/Geowissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften und Architektur.

An unserer Hochschule sind 9% ausländische Studierende eingeschrieben, davon 1504 Männer und 406 Frauen. Betrachtet man die türkischen Studierenden im Speziellen, sind es an unserer Hochschule 123 Studenten und nur 16 Studentinnen. Blicken wir auf die wissenschaftlich Beschäftigten, fällt auf, daß die Universität Karlsruhe die einzige Hochschule im Lande ist, die über keine Frau auf einer ordentlichen Professorenstelle verfügt, allerdings haben wir eine außerplanmäßige Professorin und eine Hochschuldozentin. Im wissenschaftlichen Dienst, allgemein vielleicht besser bekannt unter dem Begriff "Akademischer Mittelbau", sind 11% Frauen. Bei den Promotionen ist ein Anstieg seit dem letzten Jahr von 9 auf knapp 12% zu verzeichnen. Bei den nichtwissenschaftlich Beschäftigten haben die Frauen einen Anteil von 48,5%. Nun könnte man meinen, daß in diesem Bereich die Gleichstellung von Mann und Frau wahrlich erreicht sei. Ein Blick in die Vergütungsgruppen bzw. in die Tabellen der Vollzeit- bzw. Teilzeitbeschäftigung zeigt aber, daß - wen wundert es - die Frauen in niedrigen Vergütungsgruppen und bei Teilzeitarbeit stärker vertreten sind als die Männer. Woran liegt es nun, daß Frauen an Hochschulen in so geringer Zahl vertreten sind?

Die Ursachen sind vielfältig, eine erschöpfende Aufzählung ist in diesem Rahmen sicherlich nicht möglich. Dennoch möchte ich jenen, die nicht Insiderinnen und Insider des Hochschullebens sind, einige Beispiele für die sogenannte "strukturelle Benachteiligung" geben: - Frauen mangelt es an jeglichen Vorbildern, es gibt an Hochschulen kaum Dozentinnen, noch viel weniger Professorinnen, an denen sich Studentinnen orientieren könnten. - Frauen haben häufiger eine viel geringere Selbsteinschätzung als Männer; dies geht aus verschiedenen Untersuchungen, von Schülerinnen bis zu Professorinnen hervor; Frauen schreiben ihren Erfolg häufig dem Quentchen Glück, ihrem Geschlecht als Frau, dem guten Kontakt zum Vorgesetzten zu, Männer hingegen sind sich ihrer Fähigkeiten viel bewußter und schreiben Erfolg ihrer Leistungsfähigkeit zu. - Frauen begegnen immer wieder dem Vorwurf, nicht logisch denken zu können oder nicht über den wahren Genius zu verfügen. - Frauen werden nicht wahrgenommen, werden oft übersehen, gehen in einer Gruppe von Männern unter, werden überhört. - Studentinnen ingenieur- oder naturwissenschaftlicher Disziplinen müssen sich täglich hinterfragen lassen, wieso gerade sie auf dieses Studienfach gekommen sind. - Frauen tragen noch immer die Last der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weitgehend allein, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten gehen besonders zu ihren Lasten und schließlich - Frauen sind aus informellen Subkulturen ausgeschlossen, weil sie sich selten im Zentrum der Macht befinden und auch nicht über die Informationsnetze verfügen, nicht die Mehrheit in Kommissionen und Gremien bilden, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden.