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Das Ungewöhnliche

Als ungewöhnlich an erster Stelle ist zu erwähnen, wie überhaupt türkische Frauen und Männer für so ein Thema wie "Feminismus" in einer Arbeitsgruppe zusammenkommen konnten.

Die türkische Gesellschaft von damals war -sowie heute- stark patriarchal und männerdominiert. Die Begriffe wie die Frauenbewegung oder der Feminismus sind auch aus der Sicht der türkischen Männer eher negativ als positiv belastet. Selbst viele türkische Frauen zeigten damals keine große Sympathie für die feministische Bewegung.

Ungewöhnlich ist auch, dass solche wichtige Personen u.a. wie Prof. Dr. Ayla Neusel, Prof. Dr. Sirin Tekeli, Dr. Serpil Cakir, Dr. Süheyla Kadioglu oder aber auch Duygu Asena dieser von einem Studentenverein organisierte Veranstaltung so viel Vertrauen schenkten und nach Karlsruhe kamen?

Sicher war in diesem Zusammenhang die Unterstützung von Dr. Elisabeth Zuber-Knost als Frauenbeauftragte der Universität Karlsruhe von großer Bedeutung! Somit konnten wir mit dem Namen der Universität Karlsruhe das Vertrauen der Referentinnen gewinnen. Die gesamte Organisation hatte tatsächlich von der Erstkontaktaufnahme bis zur Ausführung ein profesionelles Niveau.

Aus wissenschaftlicher Sicht war das Ungewöhnliche bzw. erstmalig, dass Dr. Serpil Cakir in ihrem Vortrag darüber berichtet hat, dass die türkische Frauenbewegung seine Wurzeln nicht wie allgemein geglaubt in der neugegründeten türkischen Republik hat, sondern bereits im Osmanischen Reich. Das Buch über dieses Thema mit dem Titel "Osmanische Frauenbewegung" (Osmanli Kadin Hareketi) erschien erst 2 Jahre später in der Türkei (Metis Yayinlari, 1994).

Über ungewöhnliche bzw. überraschende Fakten wurden auch auf dem Vortrag von Prof. Dr. Ayla Neusel berichtet. Sie erzählte u.a. über den weltweit höchsten Profesorinnen-Anteil in den türkischen Universitäten. Wie ist in so einem Land wie die Türkei so etwas möglich, in dem eher das "unterdrückte" Frauenbild bekannt ist?

Auch Dr. Meral Akkent referierte über ein "ungewöhnliches" Thema, nämlich über "national-definierte kulturelle Identität"! Mit diesem Referat berichtete Sie nicht nur über die Klichees bezüglich der Frauen, sondern brachte viele weitere Begriffserklärungen durcheinander und brachte alle BesucherInnen zum Nachdenken.