Kinoprogramm

Das Kino (Arbeitsgemeinschaft Film e.V.) in Zusammenarbeit mit der AG Frauenforschung des VSTK hat ein begleitendes Programm zu dem Symposium vorgestellt, das in Dokumentar- und Spielfilmen vor allem die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft und die Identitätsprobleme in der Bundesrepublik lebender Türkinnen zu beleuchten versucht.









Filme in deutscher Sprache

DEIN LAND IST MEIN LAND

Dokumentarfilm von H. Andreas Guttner, BRD 1989. 16 mm, Farbe und schwarz/weiß, 72 Minuten.

Die Ausländer, besonders die Türken, erscheinen in den Filmen der Bundesrepublik als Fremde in einer fremden Welt, sprachlos, ausgebeutet. Das Bild ist richtig und falsch zugleich. Denn es vermittelt eine statistische Vorstellung von der Gesellschaft und ihren Konflikten, es spricht von den Ausländern, den Türken, von Klischees und Stereotypen. Die Wirklichkeit zeigt, daß mittlerweile schon die dritte Generation türkischer Mitbürger unter uns weilt. "Dein Land ist mein Land " dokumentiert die Anpassung an die "deutsche Normalität" einer 15 jährigen Türkin, die in Hamburg lebt. Ayse wohnt in der Hafenstraße - der Film entstand zur Zeit der Konflikte - und besucht ein deutsches Gymnasium. Ayse will Filmregisseurin werden. Noch steht ihre Intellektualität in Widerspruch zu ihrer jugendlichen Unerfahrenheit, noch ist sie auf der Suche nach einer eigenen Identität. Ihre drei Geschwister spielen in ihrem Leben keine so große Rolle wie ihre deutschen Freundinnen. Türkin der Herkunft nach, Deutsche in Lebensweise und in ihren Erwartungen vom Leben, steht sie für viele Gleichaltrige, deren Eltern oder Großeltern bereits nach Deutschland gekommen sind. "Guttner läßt seinen Figuren viel Zeit und Spielraum, und manchmal wird der Film zum `docu-drama«."

Thomas Honickel

DER ROTE SCHLEIER

Dokumentar Film von Pierre Hoffmann, BRD/Türkei 1988. Farbe, 45 Min.

Von einer Hochzeit zwischen zwei jungen Leuten in einem anatolischen Dorf erzählt der Film. Er zeigt Gülser, die Braut, mit ihrer Mutter auf der Bergweide, bei den Schafen, in der Berghütte, in der sie geboren wurde, beim Eseltritt zurück ins Dorf, zu Hause am Teppichknüpfen, immer wieder im Gespräch mit der Mutter - über die Kindheit der Braut, über Nuri, den Bräutigam, über die Hochzeit, die künftige Ehe, den bevorstehenden Umzug nach Ankara, die ersehnte Wohnung, das erträumte bessere Leben als Hausfrau. Er zeigt auch die Freude des Bräutigams und seine Neugier auf die Zukunft. Der Film begleitet die Vorbereitungen der Hochzeit eines jungen Paares in einem Bergdorf im Hochland von Anatolien. Er erzählt von Alltagsgepflogenheiten und festlichen Bräuchen, von traditionellen Werten und modernen Bedürfnissen, von Träumen und Wünschen, läßt aber auch erkennen, daß eine Hochzeit in der ländlichen Türkei nicht in erster Linie auf Romantik und Gefühlen basiert. "Der Rote Schleier ist ein «stiller« Film, der völlig ohne Erläuterungen und Kommentare auskommt. Wir erfahren von den Weltbildern, den Wünschen und Vorstellungen dieser Personen. Interpretiert jedoch wird nichts, und viele Fragen, die beim Zuschauen entstehen, bleiben im Film offen. Dafür gibt es uns andere Hinweise. Lebendig zeichnet er vor allem die Gemeinschaft der Frauen, der jungen Mädchen und der Kinder. Die Männer bleiben insgesamt etwas entfernter, über sie erfahren wir weniger. Despotisch, wie man sich orientalische Männer hierzulande vorstellt, erscheinen sie nicht. In der Familie des Bräutigams hat ohnehin die Mutter das Sagen. Deutlich wird im Film, wie Frauen andere Frauen zu Anpassung und Unterwürfigkeit erziehen, ihnen aber auch Stabilität und Lebensklugheit vermitteln."

Susanne Habicht-Erenler

TÖCHTER ZWEIER WELTEN

Dokumentarfilm von Serap Berrakkarasu, BRD 1990. 16 mm, Farbe, 60 Min.

Der Film schildert die Schwierigkeiten einer türkischen Mutter und ihrer Tochter, die in der Bundesrepublik leben. Während die Mutter, Seriban, noch fest in den Traditionen der türkischen Kultur verwurzelt ist, hat sich die in Deutschland aufgewachsene Tochter, Meral, für ein selbstbestimmtes Leben nach deutschem Muster entschieden.

"Frage: Wie sind Sie auf diese Familie gekommen? Wie war es möglich, über all das zu reden?

S. Berrakkarasu: Im Lübecker Frauenhaus lernte ich Meral kennen, die von ihren Eltern weggelaufen war. Ihre Familie lebte in Hamburg. Sie kam nach Lübeck, weil sie glaubte, im Hamburger Frauenhaus von ihren Eltern gefunden und weggeholt zu werden. Ich begleitete, wie auch bei den vielen anderen türkischen Mädchen, die ich kennenlernte, ihr weiteres Schicksal, lernte ihre Eltern kennen. Ich wollte über diese Familie einen Film machen. Es war kein Extremfall, die Eltern brachten ihr Kind nicht um, das Mädchen versank nicht im Elend. Ich wollte zeigen, was msglich sein könnte, wenn jemand den Weg mit all seinen Schwierigkeiten annahm. Das war für mich Merals Weg. Als ich ihre Mutter kennenlernte, habe ich mich sofort in sie verliebt, und es entwickelte sich ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Sie ist eine offene Person, ein Mensch, der dem Menschen vertraut und bereit ist, zu geben. Nachdem sie den Film gesehen hatte, sagte sie, daß sie auch etwas Wichtiges bekommen habe, sie habe viel von ihrer Tochter erfahren. Genau das wollte ich, daß ein Gepräch zwischen Mutter und Tochter stattfindet, und so ist der Film auch montiert. ........

Frage: Da Sie den Film mit pädagogischer Absicht gemacht haben, wäre es wichtig, daß ihn entsprechende Leute sehen.

S. Berrakkarasu: Zunächst etwas zur pädagogischer Absicht. Ich will niemanden belehren. Ich wollte Gefühle ermitteln, die Menschen emotional erreichen, in der Hoffnung, daß die Emotionen so nachdrücklich sind , daß sich dann der Verstand einschaltet und Veränderungen bewirkt. Mich haben die Menschen begeistert, natürlich ging es auch um das Thema. Auf alle Fälle ist es wichtig, den Film zu zeigen, und vor allem den Betroffenen........... "

(Auszüge aus einem Gespräch mit Erika Richter am 2.2.1991 in Berlin)

    Serap Berrakkarasu ist im Jahre 1962 in Istanbul geboren. Sie lebt seit 1972 in Lübeck und ist dort Betreuerin in einem Frauenhaus. "Töchter Zweier Welten" ist ihr erster Film.

Filme in türkischer Sprache mit Untertitel:

KASIK DÜSMANI/DIE EHEFRAU

Spielfilm von Bilge Olgac, Türkei 1984. 35 mm, Farbe, 90 Min., OF mit frz. UT

mit Perihan Savas, Halil Ergün, Aliye Rona

In einer Gasexplosion während einer Hochzeitsfeier in einem Dorf sterben vor allem Frauen und Kinder. Die Männer des Dorfes müssen nun ohne die Frauen ihr Leben weiterführen. Ein deutsches Filmteam kommt an und mschte einen Film über dieses Unglück drehen. Zwischen einem Dorfbewohner und einer Deutschen entwickelt sich im Laufe der Dreharbeiten eine Freundschaft. Der Film "Die Ehefrau" erzählt die Veränderungen in einem von traditionellen Werten dominierenden Männerwelt des Dorfes nach einem Unglück und in der Begegnung mit Fremden. Das Fehlen der verunglückten Frauen verursacht diese neuen Verhältnisse.

    Bilge Olgac ist einer der bedeutendsten türkischen Regisseurinnen der Türkei. Bilge Olgac, geboren 1940 in Vize (Kirikkale), beginnt sie 1962 ihre Filmarbeit als Assistentin von Memduh Ün. 1964 realisierte sie ihren ersten eigenen Film "Ücünüzü de Mihlarim". Bis 1975 schreibt sie alle Drehbücher für ihre Filme selbst. Ihre wichtigsten Filme in dieser Zeit sind "Öksüz", "Aclik", "Kara Gün" und "Linc". Ab 1982 kehrt sie zurück zum türkischen Kino mit dem Film "Kasik Düsmani", der den 3. Preis und einen Drehbuchpreis auf dem Antalya Filmfestival erhält, einen 1. Preis und eine spezielle Auszeichnung der Jury auf dem Filmfestival in Frankreich (Creteil). Später produziert sie Filme wie "Gülüsan" oder die TV-Serie "Elif Ana Ayse Kiz". 1987 realisiert sie den Film "Ipekce" und 1988 "Gömlek".

DUL BIR KADIN/EINE VERWITWETE FRAU

Spielfilm von Atif Yilmaz, Türkei 1985. 35 mm, Farbe 90 Min., OF mit dt. UT

mit Müjde Ar, Yilmaz Zafer, Nur Sürer, Deniz Türkali

Es wird von einer Witwe erzählt, die mit ihrer 8 jährigen Tochter nach dem Tod ihres Mannes ein zurückgezogenes Leben führt. Doch eines Tages verliebt sie sich in einen jungen Photographen... Regisseur Atif Yilmaz behandelt in fast allen seiner Filme Frauenschicksale, die selbständig und stark sind, moderne Frauen. Dieses Frauen-Bild entspricht nicht so sehr dem einer durchschnittlichen Frau in der Türkei. Atif Yilmaz dazu: "Zum einen sind türkische Frauen sehr direkt, sie sagen, was sie denken. Auf der anderen Seite haben viele Frauen den Willen, ihre Situation zu ändern, zu verbessern...Ich muß anfügen, daß - zumindest in den größeren Städten dieses Landes - die Frauen allmählich erwachen, daß sie beginnen, ihre Rechte zu fordern. Zwar denken die Frauen in der Regel noch immer an den Mann, wenn sie ihre Situation verbessern möchten, aber auch das wird sich ändern. Wir leben in Zeiten großer sozialer Veränderungen.

    Atif Yilmaz, geboren 1926 in Mersin, studierte in Istanbul Rechtswissenschaften, dann ging er an die Akademie der Schönen Künste. 1947 schloß er sich einer Gruppe von Malern an, er arbeitete als Filmkritiker und schrieb Drehbücher. 1950 bekam er seine erste Regieassistenz. 1951 realisierte er seinen ersten Spielfilm. Atif Yilmaz ist einer der Altmeister des türkischen Gegenwartskino. Er drehte über 100 Filme in allen Genres. Einigen jüngeren Autoren gilt er als Lehrer und Vaterfigur, besonders seien hier genannt Yilmaz Güney und Zeki Ökten.

    Einige seiner Filme: 1957 Gelinin Muradi/Der Traum der Braut, 1959 Bu Vatanin Cocuklari/Die Kinder dieses Landes, 1966 Topragin Kani/Das Blut der Erde, 1974 Zavallilar/Die Armen in Co-Regie mit Yilmaz Güney, 1982 Mine/Die Mine, 1986 Adi Vasfiye/Ihr Name ist Vasfiye, 1987 Asiye Nasil Kurtulur?/Wie kann sich Asiye retten? und im gleichen Jahr Hayallerim, Askim ve Sen/Meine Träume, meine Liebe und Du.

YILANI ÖLDÜRSELER/DIE SCHLANGE MUß STERBEN

Spielfilm von Türkan Soray, Türkei 1982. 35 mm, Farbe, 100 Min., OF mit frz.UT

mit Türkan Soray, Talat Bulut, Mahmut Cevher

Eine authentische Geschichte aus dem Anavarza-Gebirge in der Provinz Cukurova. Erzählt wird die Geschichte der Familie eines wohlhabenden Aga, der das Mädchen Esme heiratet. Sie ist berühmt in der ganzen Gegend wegen ihrer Schönheit und hatte versucht, sich dieser ausgehandelten Heirat zu widersetzen. Abbas, ihre große Liebe, hatte dreimal vergeblich bei der Familie um ihre Hand angehalten. Aus Verzweiflung begeht er einen Mord und geht für Jahre ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung versucht er Esme zur Flucht zu überreden. Umsonst. Sie bleibt aus Liebe zu ihrem Sohn bei ihrem Mann. Wiederrum aus Verzweiflung erschießt Abbas ihren Mann, flieht in die Berge, wird von den Leuten des Aga gestellt und getstet. Von nun an herrscht Blutrache in der Familie. Die Schwiegermutter ist unerbittlich... Regisseurin Türkan Soray, die auch die Hauptrolle spielt, ist als Schauspielerin die "ungekrönte Königin des türkischen Films".

    Türkan Soray, geboren 1945 in Istanbul, bekam ihre erste Rolle als Schauspielerin 1962 in dem Film von Türker Inanoglu Köyde Bir Kiz Sevdim/Auf dem Dorf liebte ich ein Mädchen. Seither spielte sie in mehr als 200 Filmen. 1972 drehte sie ihren ersten eigenen Film Dönüs/Die Rückkehr, der in Moskau einen Preis erhielt. Ein Jahr später drehte sie "Azap" und 1977 Bodrum Hakimi/Die Richterin von Bodrum.

    Einige ihrer wichtigsten Filme, in denen sie herausragende Rollen spielte: 1969 Seninle Ölmek Istiyorum von Lütfü Akad, 1976 Devlerin Aski/Die Liebe der Riesen von Osman Seden, 1985 Bir Kadin Bir Hayat/Eine Frau - ein Leben von Feyzi Tuna, 1986 Aci Hayat/Das bittere Leben.

Filme von Frauen aus der Türkei (STAND 1992)

Spielfilme:

Nisan AKMAN
Beyaz Bisiklet (Das weiße Fahrrad) 1986, Bir Kirik Bebek (Eine kaputte Puppe) 1987, Dünden Sonra Yarindan Önce (Übergestern - Vormorgen) 1989

Mahinur ERGUN
Gece Dansi Tutsaklari (Gefangene des Tanzes der Nacht) 1989

Canan GEREDE
Roberts Movie 1991

Barbro KARABUDA
Menekse Koyu (Die Veilchenbucht) 1991

Bilge OLGAC
Nikahsizlar (Die Unverheirateten) 1966, Kanunsuz Toprak (Land ohne Recht) 1967, Silahsiz Dövüselim (Schlagen wir uns ohne Waffen!) 1967, Öksüz (Waise) 1968, Dertli Gönlüm (Mein schmerzliches Herz) 1968, Kanli Safak (Blutige Morgenrste) 1969, Linc (Lynchen) 1970, Kara Gün (Ein schwarzer Tag) 1971, Kanli Öc (Blutige Rache) 1972, Tanri Sevenleri Korur (Gott schützt die Liebenden) 1973, Aclik (Hunger) 1974, Bir Gün Mutlaka (Eines Tages wird ganz gewiß...) 1975, Kasik Düsmani (Die Ehefrau) 1984, Yavrularim (Meine lieben Kleinen), Gülüsan (Gülüsan), Ipekce (Die Seidene) 1988, Gömlek (Das Hemd) 1990, Umut Hep Vardi (Es gab immer wieder Hoffnung) 1991.

Isil ÖZGENTÜRK
Seni Seviyorum Rosa (Ich liebe Dich Rosa) 1991

Türkan SORAY
Dönüs (Die Rückkehr) 1972, Azap (Die Bestrafung) 1973, Bodrum Hakimi (Die Richterin von Bodrum) 1977, Yilani Öldürseler (Die Schlange muß sterben) 1982.

Weitere Informationen und Bestellung:

SESAM (Verband türkischer Filmproduzenten) - TÜRKİYE SİNEMA ESERİ SAHİPLERİ MESLEK BİRLİĞİ