Podiumsdiskussion: Als Türkin in der BRD

-Frauen im Gespräch-

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HAGAR: Sprache ermöglicht das Miteinander und gilt als Bindeglied, so daß Türken mit Deutschen, aber auch Türken mit Türken zusammenleben können. Da ist aber nur das Problem: Was sage ich aus mit meiner Sprache? Wie werde ich mit meinen Wörtern verstanden? Ich denke, wir sind auch auf der Suche nach neuen Begriffen und einen neuen Wortschatz. Da wurde also gefragt, wie ich Religion sehe. Ich sehe sie als eine Quelle der Kraft, welche mich unterstützt in meiner Tätigkeit und mir Ruhe gibt. Ich denke, das ist das Wesentliche. Zum Thema Kopftuch: Es leben schon seit über 30 Jahren hier Frauen mit Kopftuch und wenn man immer noch die Frage stellt, warum und dies als etwas Neues darstellt, frage ich mich, wo hat man gelebt. Es gibt diesen Kopftuch aus diesem Grund, aber nicht nur. Da hat auch das Buch "Das Kopftuch" von Frau Akkent nicht weniger dazu beigetragen, wofür wir uns auch bei ihr bedanken. Ich trage es aus religiösen Gründen. Diese Gründe sind für mich religiös, weil die Religion mir Stärke gibt. Mein Grund war, Freiheit zu erlangen, Freiheit vom Diktat, was mir von der Gesellschaft aufgedrängt wird. Für mich bedeutet die Religion eine letzte Freiheitsnische.

KADIOGLU: Die Minderheiten sind immer die benachteiligten Gruppen in der Mehrheitsgesellschaft. Aus der Sicht der Frauen gibt es sie als Minderheit nicht. Auf der Welt gibt es mehr Frauen als Männer. Aber wenn die Frauen sich durchsetzen möchten, dann würde ich appellieren: Frauen, vermehrt euch!

ACISU: Ich möchte noch etwas zu Frau Akinci sagen. Wenn ich sage, ich bin stolz eine Türkin zu sein, dann muß ich auch akzeptieren, daß Deutsche sagen, ich bin stolz eine Deutsche zu sein. Das hat auch Konsequenzen. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich wahnsinnige Angst vor Deutschen. Ich habe Jahre gebraucht bis ich etwas aufbauen konnte, bis ich mich selbst als Türkin in Deutschland akzeptieren konnte. Es ist nicht einfach. Aber es ist auch nicht dramatisch. Wir können das Problem nicht lösen, wenn wir so vorgehen.

NEUSEL: Wir müssen jetzt zum Schluß nicht alle der gleiche Meinung sein. Es gibt einfach unterschiedliche Meinungen. Wir müssen auch die Meinung des Anderen akzeptieren. Mir bleibt jetzt nur der Dank. Ich finde, wir haben verschiedene Themen angesprochen in diesen zwei Tagen, viele Dinge haben wir nicht angeprochen. Aber es war ein Beginn. Wir haben angefangen, in der Öffentlichkeit miteinander zu reden. Das finde ich das Allerwichtigste. Diese Tagung finde ich sehr wichtig. Deshalb möchte ich mich beim Verein der Studenten aus der Türkei bedanken, daß sie uns diese Chance gegeben haben. Ich möchte auch die Anregung geben, daß sie vielleicht in der Zukunft nicht nur sagen "Studenten", sondern "Studenten und Studentinnen aus der Türkei". Ich möchte mich auch bei Frau Zuber-Knost bedanken. Wir sind gerne gekommen, wir werden noch einmal kommen und diskutieren. Es wird noch lange dauern bis man diese Probleme gelöst hat.

(Dieser Text entstand aufgrund einer Videoaufzeichnung während der Podiumsdiskussion und folgt nicht dem Wortlaut; die z.T sinngemäße Überarbeitung in die geschriebene Sprache erforderte dies.)