Podiumsdiskussion: Als Türkin in der BRD

-Frauen im Gespräch-

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AKINCI: Ich heiße Nuran Akinci. Ich bin in der Türkei in Konya geboren. Die berühmte Mevlana-Stadt. Dann habe ich in Ankara gelebt. Nach dem Abitur bin ich zum Studieren nach Deutschland gekommen und ich habe mein Pharmaziestudium in Karlsruhe absolviert. Während des Studiums habe ich meinen Mann kennengelernt, der war auch ein Student. Ich habe zwei Söhne, die 25 und 20 Jahre alt sind. Ich habe als Kind perssnlich Unterschiede zwischen Männer und Frauen bemerkt und ich habe immer im Leben dagegen gekämpft. 1971 habe ich mal mit einigen Frauen Hausaufgabenhilfe für türkische Kinder erster Generation, die damals sehr schlimm daran waren, vorbereitet und habe einige Kinder fast ein Jahr in der Hausaufgabenhilfe unterrichtet. 1974 sind ich und mein Mann in die Türkei nach Ankara zurückgekehrt. Ich fühlte mich, wirklich in diesen Jahren bis 1980 sehr wohl. Aber damals war die politische Lage sehr schlimm, die Türkei stand vor einem Bürgerkrieg und es hat uns sehr gestsrt und wir sind wieder nach Deutschland zurückgekommen. Natürlich Deutschland war auch nicht das, was wir verlassen hatten, das ist aber ein anderes Thema. 1986 gründeten wir mit einigen Frauen "Türkischer Frauenverein in Karlsruhe und Umgebung", wobei ich auch zwei Jahre die erste Vorsitzende war. Unser Ziel war, die Frauen der ersten und dann der zweiten Generation, von ihrer Isolation zu befreien. Seit 1988 lebe ich in einem Dorf, das Walzbachtal heißt und da betätige ich mich sehr mit Frauen, gestalte mit der Sozialverwalterin türkisch-deutsche Frauennachmittage, die uns Frauen zusammenbringen. Dann tanzen wir zusammen, wir machen kleine Vorstellungen und bestimmen weitere solche Arbeiten. Zur Zeit mache ich einen Deutschkurs für türkische Frauen der ersten Generation, die immer noch kein Deutsch reden und unter denen haben wir auch einige Analphabeten. Wir machen jedesmal nicht nur Deutschkurse, sondern wir reden auch über die Probleme und die erzählen mir. Da merkt man eigentlich, was für Probleme diese Frauen noch haben. Außerdem bin ich am deutsch-ausländischen Freundeskreis in Bretten im Vorstand tätig. Da bereiten wir auch Frauennachmittage oder -abende vor, die uns ausländische und deutsche Frauen zusammenbringen. Das wäre alles...

ACISU: Ich bin geboren in Bruchsal im Jahre 1969 und dann habe ich bis 1976 in einem kleinen Dorf im Kraichgau gelebt. Dann wurde ich von meinen Eltern in die Türkei geschickt. Wahrscheinlich wollten sie auch zurück und haben mich vorgeschickt und sollten nachkommen. Dort habe ich in Istanbul die Grundschule besucht, aber als es klar wurde, daß meine Eltern sobald nicht zurückkehren würden, wurde ich dann 1981 wieder hierher geführt. Ich wurde auch hier geboren und ich hatte also keinen Einfluß darauf. Ich wollte eigentlich nicht zurück. Hier habe ich wieder angefangen, ein Jahr die Hauptschule besucht, danach die Wirtschaftsschule und den Realschulabschluß nachgeholt und das Wirtschaftsgymnasium. Es war irgendwie kein erkämpftes Recht so weitermachen zu dürfen, sondern irgendwie in der Grundschule natürlich, zu studieren. Es gab Schüler und Schülerinnen, die mir die Probleme bewußt deutlich gemacht haben, daß ich eine Türkin und Ausländerin bin. In den ersten Jahren hatte ich auch sehr große sprachliche Probleme, da ich kaum Deutsch konnte. Mit den Lehrern gab es aber keine Probleme. Dann habe ich Abitur gemacht und bevor ich Abitur machte, habe ich 88 geheiratet und 90 Abitur gemacht. Ich studiere jetzt in Heidelberg Soziologie, Geschichte und Philosophie. Warum ich hier bin, ist das: ich sollte die sog. zweite Generation vertreten. Mit den Problemen, die wir haben und die wir vielleicht vermitteln sollten. Die Mehrzahl, glaube ich, muß mit den Problemen kämpfen, zwischen Familie und Schule. Also das ist wie ein Zwiespalt und ich mschte vielleicht noch vermitteln, daß dies nicht unbedingt ein Nachteil ist. Das kann man noch an Beispielen anführen. Ich glaube das war es.