Podiumsdiskussion: Als Türkin in der BRD

-Frauen im Gespräch-

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AKKENT: Meral Akkent. Meral ist ein persischer Name und bedeutet Hirschkuh, Akkent bedeutet weiße Stadt: «Hirschkuh in weißer Stadt«. Ich bin 1949 geboren, 43 Jahre alt, noch nicht in den besten Jahren, hoffe ich, daß ich bald dazu komme. Wenn ich über mich was erzählen mschte, könnte ich mich erinnern als Erstes: daß meine Mutter und meine Tante - ich habe ja davon sehr viele - gesagt haben: "Du warst von deiner Geburt an neugierig". Ich war anscheinend so viel neugierig auf etwas,daß es unangenehm war in der Wohnung meiner Mutter. Bevor sie "Nein!" gesagt haben, war es schon erledigt, gemacht, getan und häufig auch vernichtet. Später, als ich erwachsen wurde, ging meine Neugier immer weiter und wenn ich über meine Person denke, habe ich einfach das Gefühl, daß ich ständig bereit bin. Ich bin ständig bereit, auf etwas Neues, bereit auf Veränderungen. Ich warte ständig auf irgendetwas und ich werde auch nicht müde. Diese Spannung finde ich gut. 24 Jahre lang lebte ich ausschließlich in Istanbul - ich sage nicht, Türkei -, ich habe nicht in der Türkei, sondern in Istanbul gelebt und fast 20 Jahre lebe ich in der Türkei und in Deutschland, ich sage nicht Nürnberg, sondern Deutschland. Es ist alles, eine Frage des Anspruchs: Ich habe Anspruch, in Deutschland zu leben, in Nürnberg zu leben. Das bedeutet, ich nehme es in Anspruch, ich mschte es in Anspruch nehmen und ich habe das Gefühl 24 Jahre in Istanbul, 24 Jahre Istanbul - Deutschland und für meine nächsten 24 Jahre habe ich stark das Gefühl, daß ich noch einen dritten Lebensmittelpunkt mir aussuchen muß, um mich weiter zu entfernen, von dem, was ich bisher gemacht, gedacht habe. Es kann bald vielleicht einen dritten Lebensmittelpunkt in meinem Leben geben, aber das ist nicht sicher, ich bin noch auf der Suche. Das kann Kasachstan sein, das kann etwas anderes auch sein, aber dann werde ich sagen: Ich lebe in Istanbul und in Deutschland und in Kasachstan. Also das sage ich, für meine Person in dieser Welt, die immer kleiner wird.

Soziologie habe ich in der Türkei studiert, aus Liebe einfach, weil ich zuerst Bibliothekswissenschaften angefangen hatte und als ich da Seminare über Soziologie besucht habe, war ich so erstaunt und entzückt. Ich habe ein Jahr verloren, aber das bereue ich nicht und dann, `73 bin ich zusätzlich nach Deutschland gekommen, habe zuerst in Nürnberg Deutsch gelernt, weil ich einfach was Neues machen wollte. Erst die Erfahrungen, die ich nach meinem Deutschstudium - also 74-79 - als eine fremde Frau in Deutschland und als Sozialwissen- schaftlerin in Deutschland gemacht und auch so die anderen Standpunkte kennengelernt habe. Bezüglich des Zusammenlebens habe ich angefangen, Frauenstudien zu machen, aber kulturvergleichende Frauenstudien. Seit 79 bin ich dabei und ich denke, ich werde auf dieser Basis bleiben, aber meine Grenzen noch erweitern.