Begrüßung

Dr. Elisabeth ZUBER-KNOST
Frauenbeauftragte der Universität Karlsruhe (TH)

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Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich zu dem Symposium "Die Türkische Frauenbewegung", das vom Verein der Studenten aus der Türkei Karlsruhe e.V. und mir organisiert und durchgeführt wird. Ich freue mich besonders, daß ein Symposium zu diesem Thema an einer technisch-orientierten Hochschule stattfindet, weil hier - wie auch anderen Orts - noch einiges für die Bewußtseinsschärfung der Frauenproblematik getan werden muß. Gegenwärtig ist die Türkei in aller Munde, wir werden fast täglich mit erschütternden Bildern und Nachrichten aus diesem Land konfrontiert. Insofern sind Aktivitäten, Veranstaltungen und Aktionen geboten und willkommen, die die Kenntnis unterschiedlicher Kulturen fördern und so zum gegenseitigen Verständnis und Respekt führen. Dazu will diese Veranstaltung ihr Scherflein beitragen. Dank des Engagements und der Fachkenntnisse des Vereins der Studenten aus der Türkei wurde das Thema inhaltlich ausgestaltet. Die Vorbereitungsgruppe, bestehend aus zwei türkischen Studentinnen, einer deutschen Studentin und zwei türkischen Studenten, trat dann vor ca. einem halben Jahr an das Büro der Frauenbeauftragten mit der Bitte heran, das geplante Symposium zwar nicht inhaltlich, aber organisatorisch und ideell zu unterstützen. Ich habe diese Aufgabe gerne übernommen und meine Unterstützung zugesagt, weil ich selbst und viele Frauen in meinem Umfeld am Thema Frauenbewegung großes Interesse haben, die meisten aber von der deutschen Frauenbewegung schon wenig wissen und von der türkischen noch viel weniger.

Was einigen von uns bekannt sein dürfte: Die Frauenbewegung in Deutschland ist fast 150 Jahre alt. Aus dem freiheitlich gesinnten deutschen Bürgertum, das wiederum in seinem Fühlen und Denken, in seiner gesamten Lebensführung geprägt war von dem Gedanken des deutschen Idealismus und der Romantik, ging in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Bewegung hervor, die getragen wurde von einem Zusammengehörigkeitsgefühl vieler Frauen aufgrund eines gemeinsamen Protestes, das ab 1865 seinen Ausdruck in ersten organisatorischen Zusammenschlüssen fand. Die Frauen kämpften - und kämpfen seitdem - den Kampf um ihre Gleichberechtigung auf ökonomischem, politischem, sozialem und kulturellem Gebiet.

Die bürgerliche Frauenbewegung, gegründet um 1865 von Luise Otto-Peters, setzte sich für das Recht auf Bildung und auf Arbeit ein, um für Frauen Selbständigkeit und Mündigkeit zu erkämpfen und die ökonomische Abhängigkeit zu beenden. Die proletarische Frauenbewegung, gegründet von Klara Zetkin und organisatorisch eingebettet in die sozialistische Arbeiterbewegung, entstand Ende des vorigen Jahrhunderts. Sie wandte sich an die Arbeiterin mit dem Ziel, der Arbeiterin das Bewußtsein ihrer Klassenlage zu vermitteln, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Beide Richtungen verfochten mit unterschiedlichen Prioritäten gleiche Ziele, die auch heute noch nicht an Aktualität verloren haben; das Wahlrecht für Frauen, die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bildungschancen, bessere Arbeitsbedingungen, den Mutterschutz und das Recht auf Erwerbsarbeit. Während des Dritten Reiches wurden die bestehenden Frauenorganisationen aufgelöst, nach 1945 entstanden die ersten Nachfolgeorganisationen. Das veränderte politische Bewußtsein Ende der sechziger Jahre führte - ich zitiere Frau Prof. Nave-Herz - zur sogenannten Neuen Frauenbewe gung; Ursache waren die antiautoritäre Bewegung, die veränderte sexuelle Einstellung und die Kampagnen gegen ¤ 218. Der praktischen Arbeit folgte die verstärkte theoretische Auseinandersetzung. Seit den 80er Jahren werden immer mehr Institutionen für die Behandlung von Frauenfragen geschaffen:

- auf politischer Ebene die Gleichstellungsstellen, Frauenbeauftragten etc.
- auf rechtlicher Ebene einschlägige Vorschriften und Regelungen
- auf wissenschaftlicher Ebene die Errichtung von Frauenforschungseinrichtungen