Die historische Entwicklung der Frauenbewegungen in der Türkei vom Osmanischen Reich bis zur Türkischen Republik

Dr. Serpil ÇAKIR

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Darauf hinweisend, daß die Publikationspolitik sich auf Schriften und Briefen von Frauen beschränken würde, forderte die Zeitschrift die Männer kategorisch auf, ihre Meinungen zu dem Thema für "Männerzeitungen" aufzubewahren. So sollten Frauen ein Terrain gewinnen, in dem sie ihre eigenen Stimmen erheben könnten. Ziel der Zeitschrift war es, unter den Frauen Solidarität und Kommunikation zu entwickeln. Mit all diesen Zeitschriften haben Frauen ihre zweitrangige Position in der patriarchalischen Gesellschaft in Frage gestellt, nach Lösungen gesucht; sie haben ihre Probleme zur Sprache gebracht und diskutiert. Nunmehr hatte die Frau angefangen, sich selbst zu erkennen und zu definieren. Während Frauenzeitschriften den Frauen die Möglichkeit boten, sich als Individuen auszudrücken, bildeten Frauenvereine eine Basis für organisierte kollektive Auseinandersetzungen.(6) Während des Ersten Weltkrieges hatten Frauen Wohltätigkeitsvereine gegründet, um die durch Kriege entstandenen Nöte zu lindern, Witwen und Waisen materiell zu unterstützen. Zu nennen sind hier etwa die Vereine Sefkat-i Nisvan (Barmherzigkeit der Frauen), Osmanli Kadinlari Sefkat Cemiyet-i Hayriyesi (Barmherziger Wohltätigkeitsverein osmanischer Frauen), Himaye-i Etfal Cemiyeti (Kinderschutzverein).

Innerhalb der osmanischen Gesellschaft gründeten Angehörige verschiedener Religionen auch ihre eigenen Vereine: Beyoglu Rum Cemiyet-i Hayriyesi (Griechischer Wohltätigkeitsverein in Beyoglu), Türk ve Ermeni Kadinlar Ittihat Cemiyet-i Hayriyesi (Wohltätigkeitsverein türkischer und armenischer Frauen). Zu dieser Zeit wurden auch Vereine gegründet, die Frauen mittels Kursen und Werkstätten ausbilden und auf das Berufsleben vorbereiten sollten: Osmanli Türk Hanimlari Esirgeme Dernegi (Schutzverein osmanisch-türkischer Frauen), Bilgi Yurdu Müessesi (Einrichtung Heim des Wissens), Bicki Yurdu (Schneiderschule), Osmanli Kadinlari Calistirma Cemiyet-i Islamiyesi (Islamischer Verein zur Beschäftigung osmanischer Frauen). In Vereinen, die es sich als Ziel gesetzt haben, Frauen zu einer sozialen und kulturellen Identität zu verhelfen, fanden Veranstaltungen über Fremdsprachen, Musik, Theater, Literatur und Malerei statt und es wurden Bibliotheken gegründet: Asri Kadin Cemiyeti (Zeitgenössischer Frauenverein), Teali-i Nisvan Cemiyeti (Verein zur Aufwertung der Frauen), Kirmizi Beyaz Kulübü (Verein Rot-Weiß).

Die Frauenvereine, die grundsätzlich Lösungen für die Probleme auf dem Land suchten, versuchten die inländische Produktion anzukurbeln und den Absatz inländischer Produkte zu fördern. Die Vereine, die die Ursache der Unterentwicklung der osmanischen Wirtschaft in der ökonomischen Abhängigkeit sahen, teilten den osmanischen Frauen eine wichtige Aufgabe zu, um diese Situation zu bewältigen. Die häufigen Kriege im Osmanischen Reich hatten zur Folge, daß Frauen sich mit dieser Problematik beschäftigten und Frauenvereine zur Verteidigung des Landes gründeten: Nisvan-Osmaniye Imdad Cemiyeti (Verein der Nothilfe osmanischer Frauen), Hilal-i Ahmer Cemiyeti Hanimlar Heyeti (Frauenausschuss des Roten Halbmondes), Müdaafa-i Milliye Hanimlar Cemiyeti (Frauenverein zur nationalen Verteidigung), Anadolu Kadinlari Müdaafa-i Vatan Cemiyeti (Verein anatolischer Frauen zur Verteidigung des Landes). Auch von politischen Parteien wurden gemäß ihrer Ideologien, Konferenzen abgehalten und Frauenvereine gegründet: Ittihat ve Terakki Hanimlar Cemiyeti (Frauenverein für Einheit und Fortschritt), Teali-i Vatan Osmanli Hanimlar Cemiyeti (Verein osmanischer Frauen für die Entwicklung des Landes), Osmanli Kadinlari Terakkiperver Cemiyeti (Fortschrittlicher Verein osmanischer Frauen).