National-definierte kulturelle Identität -
Eine Begriffsanalyse und ihre Konsequenzen für die interkulturelle Kommunikation

Dipl. Soz. Meral AKKENT, Nürnberg

Seite 1| Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 |

Sich selbst darstellen zu können: In unserem Alltag und Arbeit haben wir durchaus die Möglichkeit, die einzelnen Menschen losgelöst von bestimmten festlegenden Zuschreibungen und Kategorien kennenzulernen. Wir können den Einzelnen die Chance geben, sich selbst darzustellen, sich also zeigen zu lassen, wie die jeweiligen Einzelnen denken, handeln, welche Vorstellungen sie haben, wie sie als Einzelne mit den Normen der Gesellschaft umgehen, wie sie diese Normen für sich interpretieren, welche Gruppen sie sich zuordnen und welche Geschichte sie haben. Wenn wir solche Informationen direkt bei den jeweiligen Personen nachfragen wollen, dann bedeutet dies in aller Regel eine Umorientierung. Dieser Umorientierung stehen jedoch noch erhebliche Wiederstände in unseren Köpfen entgegen - beispielsweise alte und außerordentlich zähe Orientierungsschemata. Folgenden drei außerordentlich wichtige Prozesse könnten durch eine derartige Umorientierung ausgelöst werden:

  • -sich die eigene Kulturzentrierheit und die eigene selektive Wahrnehmung bewußter zu machen,
  • -eine Auseinandersetzung mit so überaus weit verbreiteten und vordergründig sehr selbstverständlichen Begriffen wie "nationale Identität" oder "nationale Kultur" zu führen,
  • -einer Stereotypisierung und Stigmatisierung von Migrantinnen andere Denk- und Wahrnehmungsmöglichkeiten entgegenzusetzen.

Schlußbemerkungen:

Es gibt mehrere Kulturen innerhalb einer Nation. Es ist zu vermeiden, die Merkmale einer Kulturgruppe als das Merkmal einer national definierten Gruppe darzustellen. Eine solche Vorgehensweise wäre nicht nur ein Hindernis für die Kommunikation zwischen den Eingewanderten und Einheimischen, welches zusätzliche Hierarchien bildet sondern ein Hindernis für die Handlungsmöglichkeiten u.a auch in der sozialpädagogischen Arbeit. Wenn die Reduktion auf eine National-Kultur vermieden wird, können kulturvergleichende Konzepte sowohl nützlich sein, um gegen die Kategorisierung und Stigmatisierung bestimmter Gruppen zu arbeiten als auch durch (kultur-)vergleichende Anregungen Erwachsene und Jugendliche zur Reflexion über die eigene Lebenswelt, die eigenen Handlungsformen und -möglichkeiten zu motivieren.