Frauenkarrieren in der Wissenschaft - Ein Vergleich der Situation von Wissenschaftlerinnen
an türkischen und deutschen Universitäten

Prof. Dr. Ayla Neusel, Kassel

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Die vertikale Segregation bedeutet, daß die Bildungs- und Berufs- (Wissenschafts-) Laufbahnen von Frauen als Pyramide darstellbar sind, daß also im Laufe der beruflichen Karriere immer mehr Frauen auf der Strecke bleiben. Die horizontale Segregation bedeutet, daß Frauen und Männer unterschiedliche Fächer in Studium und Beruf wählen, daß also in Folge extrem "männliche" (z.B. Ingenieur- und Naturwissenschaften) und extrem "weibliche" (z.B. Lehrerausbildung, Geisteswissenschaften) berufliche und wissenschaftliche Domänen existieren. Eine Gegenüberstellung der Frauenanteile an türkischen und deutschen Universitäten im Verlauf der wissenschaftlichen Karrieren von Frauen zeigt, daß eine vertikale Segregation auf die Situation der Frauen an türkischen Hochschulen nicht in dem Maße wie in Deutschland zutrifft. Während der Anteil von Frauen an den Studierenden und dem Lehrpersonal an türkischen Universitäten mit jeweils etwa einem Drittel eine relativ kontinuierliche Entwicklung beschreibt, beträgt in bundesdeutschen Universitäten (altes Bundesgebiet) der Frauenanteil am wissenschaftlichen Personal lediglich die Hälfte des Studentinnenanteils.

TR1 BRD2
Studentinnen 37 38,2
Akademikerinnen in den Hochschulen 32,2 wiss. Pers.:16,2
Ordentliche Professorinnen 20,0 C4: 2,6
Außerordentliche Professorinnen 22,7 C3: 5,5
Ass. Professorinnen 26,8 C2: 8,6
Dozentinnen 30,3 C1: 14,2
Fachgelehrte (Habil.) 43,0
Forschungsassistentinnen 34,6 Mittelbau:20,2
Andere in akad. Pos. 54,4 sonst. Lehr.:27,2

Tabelle 4: Frauenanteile in den Hochschulen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland im Wintersemester 1988/89 (in Prozent)
1 Quelle: Statistik für höhere Bildung 1989, zitiert nach ACAR
2 Quelle: Eigene Berechnungen nach BMBW: Grund- und Strukturdaten 91/92


Einer Studentinnenzahl von 600.000 in der Bundesrepublik Deutschland stehen insgesamt 16.000 Wissenschaftlerinnen und nur 257 C4-Professorinnen gegenüber, während an türkischen Universitäten 150.000 Frauen studieren, 10.000 Frauen wissenschaftlich arbeiten, und 854 Frauen ordentliche Professorinnen sind. Die These von der horizontalen Segregation, daß nämlich Frauen und Männer extrem unterschiedliche Fächer wählen, soll im Folgenden geprüft werden. Die Tabellen 6 und 7 vergleichen die Anteile von Wissenschaftlerinnen in ausgewählten Fachrichtungen jeweils am Anfang und am Ende der achtziger Jahre. Es wird deutlich, daß typische "Frauendomänen" wie in den (alt)bundesrepublikanischen Hochschulen in türkischen Universitäten nicht existieren.

TR1 BRD2
Frauen in C4-Stellen

in %

854

20,0

257

2,6

alle C4-Stellen 4.270 10.065
Wiss. Personal insgesamt

davon Frauen

in %

30.466

9.810

32,2

102.056

16.485

16,2


Tabelle 5: Frauenanteile am wissenschaftlichen Personal in der Türkei und in der Bundesrepublik Deutschland (1988)
1 Quelle: Statistik für höhere Bildung 1989, zitiert nach ACAR
2 Quelle: Eigene Berechnungen nach BMBW: Grund- und Strukturdaten 1991/92