Vorwort

Anıl Kaputanoğlu, Ayşe Esin, Mine Kırbıyık, Ozan Kesim, Stella Çoban

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Im Mittelpunkt des Symposiums standen die vier zentralen Vorträge:

  • Serpil Cakir - die jüngste unter den eingeladenen Frauenforscherinnen - veranschaulichte in ihrem Vortrag die Aktivitäten der Frauenbewegungen in der osmanischen Epoche des letzten Jahrhunderts. Ihre Forschungsarbeit ist eine Pioniersarbeit in diesem Gebiet. Um in osmanischen Archiven arbeiten zu können, lernte sie die osmanische Sprache. Ihre Forschungsergebnisse werden voraussichtlich noch in diesem Jahr als Dissertation und Buch in der Türkei erscheinen.
  • Sirin Tekeli ist einer der Vorkämpferinnen der Neuen Türkischen Frauenbewegung. Sie gründete die ersten Frauengruppen in den 80er Jahren und gilt als die beste Kennerin der Geschichte der türkischen Frauenbewegung. In ihrem Vortrag informierte sie über ihre eigene Tätigkeit, die Entstehungsbedingungen und die Entwicklung der Neuen Türkischen Frauenbewegung.
  • Den Schwerpunkt der Arbeiten von Süheyla Kadioglu bilden die Geschichte und Soziologie der Einwanderung aus der Sicht türkischer Frauen. Frau Kadioglu zeigte in ihren Beitrag die Unterschiede der Lebensverhältnisse türkischer Frauen in der Migration. Der Eintritt in das Erwerbsleben und das Erlernen eines Berufs bildet für türkische Frauen ein wichtiger Schritt in die Unabhängigkeit. Doch bestehende traditionelle Rollenmuster in den Familien lassen Konflikte in der Migration entstehen. Unter diesem Aspekt gewinnt für sie die Frauenfrage vielmehr eine migrationsspezifische als eine türkenspezifische Dimension.
  • Im Abschlußvortrag ging schließlich Meral Akkent auf den Kulturbegriff ein. Sie plädierte für ein erweitertes Kulturverständnis, das vor allem nicht die nationale, sondern die persönliche Identitätsbildung in den Mittelpunkt stellt. Anhand der unterschiedlichen Lebensläufe verschiedener türkischer Frauen veranschaulichte sie ihr Konzept und die Hinfälligkeit nationaler Zugehörigkeiten. Ihr Konzept der kultureller Identität vesteht sie als eine Reaktion auf das patriarchale Modell eines nationalen Kulturverständnisses.

Den abschließenden Höhepunkt des Symposiums bildete schließlich die Podiumsdiskussion und veranschaulichte nochmals die Situation türkischer Frauen in der Migration. Persönliche Erfahrungen der eingeladenen Gäste standen somit im Vordergrund. Die verschiedenartigen Lebensinhalte der Diskussionsteilnehmerinnen zeigt das komplexere Bild türkischer Frauen.

Als einen wichtigen Teil des Symposiums möchten wir die Lesung und das anschließende Gespräch mit der türkischen Schriftstellerin und Journalistin Duygu Asena erwähnen. Mit ihrer journalistischen Tätigkeit enttabuisierte sie zum ersten Mal das Thema des Sexismus in der türkischen öffentlichen Meinung. Als Herausgeberin von populären Frauenzeitschriften machte sie auf den Bewußtseinsprozeß der türkischen Frauen in den Großstädten und die Bedeutung der weiblichen Sexualität aufmerksam. In ihren Romanen beschreibt sie ebenfalls die widersprüchlichen Emanzipationsprozesse türkischer Frauen in den noch von Männern dominierenden modernen türkischen Großstädten. Asena ist Vorbild für viele türkische Frauen. Mit ihrem persönlichen Widerstand gegen die bestehenden Normen der Männerwelt, gab sie vielen Frauen Mut, im privaten Bereich, der Familie und Partnerschaft, Widerstand zu leisten. Vor allem ihr erster Roman "Kadının Adı Yok" (Die Frau hat keinen Namen) führte zu heftigen Diskussionen über den Sexismus. Das Buch wurde nach der 40. Auflage als jugendgefährdend verboten und pornographisch bewertet. Erst 1991 konnte das Verbot aufgehoben werden.

- Wir möchten hier vor allem Dr. Elisabeth Zuber-Knost für ihre ideelle sowie organisatorische Unterstützung danken. Ohne ihren persönlichen Einsatz und Rat wäre das Symposium nicht denkbar. Damit möchten wir auch die Bedeutung ihrer Arbeit als Frauenbeauftragte an einer von Männern dominierenden Technischen Hochschule hervorheben. Wir hoffen, daß dieses Buch für deutsche und türkische Frauen als Anregung dienen kann, gemeinsam etwas zu verändern!